AS/400 9404: Erste Erkundungen
Heute habe ich mich wieder der AS/400 gewidmet, primärer Fokus lag auf Bestandsaufnahme und Reinigung. Mein Haus riecht dank der AS/400 ohnehin wie ein überfüllter Aschenbecher. Kann man auch nur als Single machen. Vermutlich wurde in dem Softwarehaus, welches auf dem Gerät früher kundenspezifische Software entwickelt hat, pro Codezeile zweimal an der Kippe gezogen. Naja, ist nun eben so. Da (wie bereits erwähnt) das Netzteil der CPU-Einheit eventuell eine thermische Anomalie aufweist, habe ich selbiges ausgebaut. Besser gesagt, es versucht. Irgendwie war das sehr hartnäckig, obwohl eigentlich nur an der Vorderseite 2 Rändelschrauben gelöst werden müssen, und der Einschub dann einfach herausgezogen werden kann. Vermutlich ist das in den letzten 37 Jahren nie passiert, weshalb die Kombination aus Staub und Tabakrauch zu einem beachtlich brauchbaren Klebstoff mutiert ist. Nach dem Abschrauben der beiden Seitenwände des Towers konnte dann behutsam von beiden Seiten aus das Netzteil herausgehebelt werden. Auf Reparierbarkeit wurde bei dem Netzteil definitiv kein Wert gelegt - das Gehäuse ist doch tatsächlich mit Blindnieten zusammengesetzt. Also mussten diese zuerst aufgebohrt werden.
Nach dem Öffnen taucht auch schon das antike Innenleben zum Vorschein, eingehüllt in eine Schicht aus geteertem Staub. Der Aufbau erscheint recht übersichtlich, sieht aus wie ein Gegentaktwandler mit Halbbrücke, aufgebaut mit diskreten und integrierten Bauteilen von der Stange. So wie man das im letzten Jahrtausend eben gemacht hat, alles nur bedrahtete Bauteile. Das Intelligenteste auf der Platine ist ein PWM-IC, ansonsten nur Komparatoren und 2 Logikgatter. Ein Hersteller bzw. eine Leistungsangabe fehlt komplett, weder auf dem Gehäuse, noch auf dem Innenleben lässt sich derartiges erkennen. Auch scheint die Leistungsdimensionierung etwas gering bemessen zu sein, da hätte ich mir mehr erwartet. Wie sich in weiterer Folge noch herausstellen wird, dürfte die AS/400 als interne Versorgungsspannung nur 24VDC verwenden, welche bei Bedarf individuell gewandelt wird. Nachdem ich die Platine und das Gehäuse grundlegend gereinigt habe, ging es an eine nähere Betrachtung. Am Netzeingang finden sich X-Kondensatoren von Rifa. Diesen eilt mittlerweile ihr Ruf, im betagten Alter plötzlich und ohne Vorwarnung thermisch und/oder elektrisch durchzugehen, weit voraus. Also werden die auf jeden Fall ersetzt. Die Eingangskondensatoren werde ich in der Arbeit mal mit dem LCR-Meter überprüfen. Die Ausgangskondensatoren (330uF/50V) kosten nicht die Welt, und könnte man eigentlich auch gleich austauschen.
Interessehalber habe ich mir auch gleich ein Batteriemodul zur Brust genommen. Jeder der zwei Tower besitzt ja sowas, und bei der CPU-Einheit fiel mir bereits auf, dass hier die Pb-Zellen wohl schon etwas "ausgeschwefelt" haben. Großartig. Und weil niemand auf der Welt auf die Idee kommen könnte, dass man die Zellen (als Verschleißteil) einzeln tauschen/ersetzen könnte, sind die auch in einem vernieteten Gehäuse untergebracht. "No user serviceable parts inside", oder so ähnlich. Also habe ich diese Nieten auch aufgebohrt, und war halbwegs positiv überrascht, dass es auf der Platine zu keinen unmittelbar ersichtlichen Korrosionsschäden gekommen ist.
Der Akku selbst besteht aus einem recht interessanten Aufbau aus 12 Rundzellen in Serienschaltung, und erreicht somit eine Nennspannung von 24V. Ursprünglich wurde das komplette Sekundärelement von Gates Energy Products gefertigt. Sowas bekommt man heute sicher nicht mehr. Pustekuchen: Unter der Bezeichnung EnerSys 0859-0016 sind die Teile immer noch erhältlich, zumindest jenseits des großen Teichs. Da hätte ich jede Wette verloren. Der 12V-Block kostet so ca. 120 US-Taler, für die 2 Module brauche ich jeweils 2 Blöcke, somit 4 Stück, macht summa summarum irgendwas um die 500 US-Taler. Danke, zur Kenntnis genommen, wir melden uns bei Ihnen. Wenn die AS/400 nicht ohne das USV-Modul starten will, dann werden hierfür einfach testweise irgendwelche Zellen extern angehängt. Wenn alles andere lauffähig ist, dann mache ich mir darüber nochmal Gedanken.

Als nächstes habe ich mir die Festplatte aus der CPU-Einheit mal angesehen. Erstaunlicherweise mal ein Gehäuse, welches nicht vernietet ist. Das Oberteil und die Grundplatte sind aus Kunststoff gespritzt, und nur durch Rastnasen miteinander verbunden. Natürlich ist eine Rastnase gleich beim Zerlegen abgebrochen. Wer kann denn auch ahnen, dass Kunststoff irgendwann mal brüchig wird. Kollateralschaden nennt man sowas wohl. Das Innenleben versteckt sich in mittlerweile gewohnter Manier unter einer Jahrzehnte alten Schmutzschicht. Der Festplatteneinschub beinhaltet eine CanonialeCanon Zwangsbelüftung, eine IBM-Festplatte vom Typ 0671S15 mit SCSI-Schnittstelle, sowie ein dediziertes Netzteil, welches die vorher bereits erwähnten +24VDC in +5VDC und +12VDC für die Festplatte umwandelt. Was für ein Aufwand, so ein Speichereinschub muss seinerzeit ein Vermögen gekostet haben. Dafür bekommt man dann sagenhafte 320MB Speicherkapazität. Warum haben die damals nicht einfach eine 32GB microSD-Karte verwendet? Wäre billiger, schneller und Platzsparender bei 100-facher Speicherkapazität. Achso, das gab's damals noch nicht. Wenn wer bezüglich damaliger Anschaffungspreise Informationen hat, bitte gerne an mich wenden.
Nachdem ich mir die Pinbelegung der Steckverbinder herausgemessen habe, wurde das Netzteil mal mit einem Labornetzteil vorsichtig auf Nennspannung hochgefahren. Ab ca. 19VDC Eingangsspannung fährt der Abwärtswandler hoch und liefert beeindruckend präzise Ausgangsspannungen. Als Last habe ich eine alte IDE Festplatte angeschlossen und die Spannungen nochmal kontrolliert. Die Regelung ist davon ganzheitlich unbeeindruckt. Auch habe ich die Restwelligkeit nachgemessen, sollte wohl bei beiden Ausgangsspannungen bei <40mV liegen. Gefällt mir, kann so bleiben. Also das Gehäuse des Einschubs noch gereinigt und alles wieder zusammengebaut - jedoch nicht ohne vorher einen kurzen Funktionstest der Festplatte durchzuführen.


Die Festplatte gab es seinerzeit angeblich in zwei unterschiedlichen Ausführungen: Einmal mit SCSI-Interface, oder auch mit ESDI-Interface. Angeschlossen an einen älteren Lenovo-Desktop mit eingebautem SCSI-Controller (Adaptec AHA-2940) wollte ich der Platte mal erste Lebenszeichen entlocken. Der SCSI-Controller hat die Platte gleich entdeckt, konnte aber nicht viel damit anfangen, weil das Teil nicht starten wollte. Also habe ich in den Einstellungen des SCSI-BIOS den Start-Command aktiviert, damit beim Initialisieren des Controllers auch die Platte hochgefahren wird. Diese bleib davon jedoch sehr unbeeindruckt. Weiter oben habe ich ein Foto der seitlich zugänglichen DIP-Schalter gemacht - wie sich herausstellt, ist der einzige gesetzte Schalter auch der, der für den selbsttätigen Anlauf der Festplatte zuständig ist. Wenn alle Jumper nicht gesetzt sind, dann läuft die Platte und wird auch vom Betriebssystem einwandfrei erkannt. Also nichts wie los, vorsichtshalber gleich mal mit DD sämtliche Daten in ein image sichern - hätte ich gerne gemacht. Leider ist die Festplatte mit 520Byte großen Sektoren formatiert, und weder Linux noch Windows können meines Wissens nach damit umgehen. Schade, dann gibt es vorerst kein Backup.


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