AS/400 9404: Diagnose der Netzteile 92X3049 und 92X3030
Fortsetzung von AS400 9404 - Erste Erkundungen
Die Platine des Netzteils habe ich mir mit in die Arbeit genommen, dort habe ich Zugang zu einem Hioki LCR-Meter, genauer gesagt zu einem Impedance Analyzer IM3570. In meinem privaten Fundus gibt es hoffentlich zukünftig auch eine derartige Messmöglichkeit. Aktuell trennt mich jedoch der meist mindestens vierstellige Anschaffungspreis (selbst für Gebrauchtgeräte) noch davon. Lange Rede, gar kein Sinn: ich habe damit mal die Ein- und Ausgangskondensatoren des Netzteils geprüft. Obwohl beide eigentlich noch gut sind, habe ich aber trotzdem die Ausgangskondensatoren (3*330µF) nachbestellt. Die Eingangskondensatoren bleiben vorerst, erst wenn die AS/400 beweist, dass sie lauffähig ist, werde ich diesen Austausch nochmal in Erwägung ziehen. Bei dem Snubber-Kondensator bin ich mir noch nicht sicher. Den könnte man aber auch gleich tauschen, da dieser die Spannungsspitzen beim Umschalten des Gegentaktwandlers dämpft, und somit eine wichtige Funktion erfüllt.



Die paar kleinen Elkos haben zwar beim Messergebnis auch keinen Kapazitätsverlust aufgezeigt, werden aber trotzdem auch gleich mitgetauscht. Und die X-Kondensatoren tausche ich sowieso. Herr von und zu IBM hat sich seinerzeit bei allen Elektrolytkondensatoren für Kondensatoren aus dem Hause Nichicon entschieden, selbiges will ich (soweit erhältlich) auch tun. Die Vorläufige Bestelliste sieht somit wie folgt aus:
Kondensatoren Netzteil 92X3049
Bauteil | Bezeichnung | Wert | Hersteller-Nr. | RS-Bestellnr. |
---|---|---|---|---|
C1 | Rifa X-Kondensator | 470nF 250VAC | PME271M647KR30 | 210-544 |
C3 | Rifa X-Kondensator | 100nF 250VAC | PME271M610MR30 | 210-500 |
C26, C40, C43, C68 | Elektrolytkondensator Nichicon | 22µF 50V | UBT1H220MPD8 | 762-1730 |
C31, C67 | Elektrolytkondensator Nichicon | 2,2µF 50V | UVY1H2R2MDD | 862-4156 |
C6 | Elektrolytkondensator Nichicon | 33µF 63V | UPW1J330MED | 715-2921 |
C62, C63, C64 | Elektrolytkondensator Nichicon | 330µF 50V | UPW2A331MHD | 715-3053 |
C12 | Folienkondensator Kemet | 2µF 850V | C4GAMUD4200AA1J | 173-4203 |
Während ich nun also auf das Eintreffen der Kondensatoren warte, habe ich ein weiteres Teil aus dem Tower ausgebaut. Eine derartige Vorgehensweise eignet sich perfekt, um möglichst schnell relativ viel Chaos zu erzeugen. Anfangs habe ich das Teil für einen Lüfter-Einschub gehalten, mit ein wenig Kabelkram und ein paar Steckverbindern. Relativ schnell kam dann zum Vorschein, dass es sich dabei wieder um ein vollwertiges Netzteil handelt, welches etwas größere Dimensionen als das bekannte Netzteil aufweist. Merkwürdigerweise findet man an diesem Blechgehäuse sogar Schrauben. Trotzdem ist jedes Blech noch aber mindestens einmal vernietet. Warum dann nicht alles zusammennieten, so wie bei den anderen Gehäusen? Keine Ahnung, was dabei die Überlegung war. Immerhin hat sich jetzt das fehlende Typenschild an dem ursprünglich vermeintlich einzigen Netzteil gelöst. An dem Teil finden sich 2 Typenbezeichnungen. Laut kurzer Recherche im Internetz lautet die Bezeichnung für das größere Netzteil 92X3030 und zusammen mit dem kleineren (92X3049) bildet das dann "Feature #5133". Zusammen liefern die beiden Netzteile dann 22A an 24VDC.
Natürlich muss das größere Netzteil auch einer Kontrolle und Reinigung unterzogen werden. Also wurden am Gehäuse die Schrauben gelöst und die Nieten wieder aufgebohrt. Im Inneren ein bekanntes Bild mit viel Dreck, nur hat hier der große Lüfter hervorragende Dienste geleistet, und die Ansammlung von Schmutz auf eine neue Ebene gehoben. Nach einer groben Vorreinigung mit Staubsauger, Pinsel und Druckluft konnten dann schon erste Erkenntnisse gezogen werden. Jetzt ist auch klar, was der Vorbesitzer bei der letzten Inbetriebnahme als "verschmort" gerochen hat. Einer der X-Kondensatoren hat mal durchgelüftet und sich etwas Platz gemacht.
Nachdem nun alles halbwegs sauber ist, kann die Platine ausgebaut werden. Doch dabei konnte ich an den Rändern des Gehäuses bereits unschöne Verfärbungen erkennen. Ist das tatsächlich Rost? Als die Isolierplatte entfernt wurde, wurde das Geheimnis recht schnell gelüftet: Klar, was denn sonst. Ok, zum Glück ist die Platine auf der Unterseite frei von Korrosion, das hätte mir sonst den Motivationspegel gegen /dev/null verschoben. Die restlichen Steckverbinder habe ich aus dem Gehäuse entfernt, und mit dem Gehäuse mal der Sandstrahlkabine einen Besuch abgestattet. Immer wieder beeindruckend, was Glasperlen, welche durch ein paar Atmosphären Überdruck beschleunigt werden, so alles wieder verschönern können. Damit nicht sofort wieder Rost sein Revier markiert, habe ich das blanke Blech gleich mit Rostschutz-Grundierung eingesprüht. In Silbergrau hatte ich in der Spraydose nur Auspufflack im Regal - nicht tragisch, dann ist der Lack auch temperaturfest, falls das Netzteil mal komplett abbrennt. Lieber wäre mir jedoch, wenn ich mich davon nicht überzeugen lasse.
Bei der Gelegenheit werde ich auch gleich die X-Kondensatoren auslöten, bevor ich mich jedoch an den Austausch der anderen Kondensatoren mache, bekommt die Platine mal eine umfangreichere Reinigung. Die hat sie auch bitter notwendig. Die Platine wird schräg aufgestellt und mit ordentlich Isopropylalkohol abgebürstet. Der mit Schmutz angereicherte Isopropylalkohol kann somit einfach ablaufen, und der Rest wird mit Druckluft abgeblasen.
Mittlerweile sind auch die bestellten Kondensatoren eingetroffen und wurden gleich verlötet. Bereits im Datenblatt war ersichtlich, dass der neue Snubber-Kondensator größer als der bestehende ist. Trotzdem habe ich das Gefühl, dass der auf dem Transportweg noch dicker geworden ist. Kann ja nicht sein, dass ich mich da so vermessen habe. Sprach er, während er es mit seinen eigenen Augen sah. Der Grund, warum ich einen Folienkondensator mit einer Spannungsfestigkeit von 850V (und somit größer) gewählt habe, ist relativ einfach: Ich konnte keinen anderen finden, welcher die gleiche Kapazität und auch sonst vergleichbare elektrische Eigenschaften aufweist, axial bedrahtet ist und innerhalb der nächsten 28 Wochen lieferbar ist. Tja, damit werde ich mich wohl arrangieren müssen. Ich denke, ich werde den alten Snubber auch mal mit dem LCR-Meter prüfen. Kaum zu glauben, aber der originale Kondensator wird von ASC noch immer hergestellt. Dort habe ich mal angefragt, vielleicht gibt es ja einen Distributor, bei dem man die Teile in Kleinstmengen bestellen kann. Für diesen Artikel soll es das aber vorerst gewesen sein, sobald sich Fortschritte einstellen, werde ich in einem zweiten Teil berichten.
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